Integrierte Chip Planung im PLAYOUT System: Architektur, Design Datenbank und das PLAYOUT Interchange Format (PLIF)

1. Einleitung

Die frühen 1990er Jahre waren eine Phase intensiver Forschung im Bereich der VLSI Entwurfsmethoden. Mit steigender Komplexität integrierter Schaltungen entstand die Notwendigkeit, logische, strukturelle und physische Entwurfsebenen enger miteinander zu verzahnen. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 124 „VLSI Entwurfsmethoden und Parallelität“ wurde am Standort Kaiserslautern das PLAYOUT Design System entwickelt [Hartenstein 1994].
Ein zentrales Ergebnis dieses Projekts war die Entwicklung einer Design Datenbank als gemeinsamer Informationsbasis sowie des PLAYOUT Interchange Format (PLIF) als Austauschformat für physische Designinformationen. Beide Komponenten waren entscheidend für die Werkzeugintegration und gelten als frühe Vorläufer moderner EDA Datenmodelle [Schürmann 1992].

2. Das PLAYOUT System als integrierte Entwurfsumgebung

Das PLAYOUT System wurde als hierarchisches, modular aufgebautes EDA Framework konzipiert. Es umfasst Werkzeuge für alle wesentlichen Schritte des Chip Designs, darunter das MIMOLA Software System für Architektur  und Verhaltensmodellierung [Hartenstein 1985], den Repartitioner, den Shape Function Generator sowie den Chip Planner, der Floorplanning-Algorithmen einsetzt, wie sie in der Literatur der Zeit beschrieben wurden [Wong 1988; Sherwani 1999].
Diese Werkzeuge greifen auf eine gemeinsame Datenbasis zu und bilden damit einen durchgängigen Entwurfsfluss ab, der seiner Zeit weit voraus war. Die Integration der Werkzeuge erforderte ein konsistentes, semantisch reichhaltiges Datenmodell – die Design Datenbank.

3. Die Design Datenbank als zentrales Meta Modell

Die Design Datenbank des PLAYOUT Systems fungiert als zentrales Meta Modell, das alle relevanten Entwurfsinformationen über mehrere Abstraktionsebenen hinweg speichert. Sie umfasst hierarchische Modulstrukturen, Netzlisten, Partitionierungsdaten, Shape Functions, Technologieparameter und Constraints.
Im Gegensatz zu klassischen Netzlistenformaten wie EDIF oder BLIF ist die Design Datenbank semantisch strukturiert und definiert sowohl Objekte als auch deren Beziehungen. Dieses Prinzip entspricht modernen Meta Modellierungsansätzen, wie sie später in der Meta Object Facility (MOF) formalisiert wurden [OMG 2002].
Die Idee einer durchgängigen, semantisch definierten Datenbasis wurde später in industriellen EDA Systemen wie OpenAccess wieder aufgegriffen [Si2 2002], was die Pionierrolle des PLAYOUT Systems unterstreicht.

4. PLIF: Das PLAYOUT Interchange Format als Austauschformat

Während die Design Datenbank das interne Meta Modell bildet, dient das PLAYOUT Interchange Format (PLIF) als standardisiertes Austauschformat für alle physischen Designinformationen. PLIF wurde entwickelt, um die Interoperabilität zwischen den physischen Werkzeugen sicherzustellen und ist funktional vergleichbar mit späteren Formaten wie LEF/DEF [Cadence 1997], jedoch semantisch deutlich reichhaltiger.

4.1 Struktur und Semantik von PLIF

PLIF beschreibt Module, Pins, Netze, Shape Varianten, Constraints und Kostenfunktionen. Damit ist PLIF nicht nur ein Datenformat, sondern ein domänenspezifisches Meta Modell für physisches Design.
Die Idee, geometrische Varianten über Shape Functions zu modellieren, findet sich auch in der klassischen Literatur zur physischen Entwurfsautomatisierung [Sait & Youssef 1999].

4.2 Rolle im Entwurfsfluss

Der typische Datenfluss im PLAYOUT System verläuft wie folgt:

  1. Der Shape Function Generator erzeugt geometrische Varianten und schreibt sie in PLIF.

  2. Der Repartitioner ergänzt Partitionierungsinformationen.

  3. Der Chip Planner liest PLIF, führt Floorplanning durch und aktualisiert Platzierungsdaten.

  4. Die Chip Synthesis nutzt die finalen PLIF Daten zur physischen Synthese.

Diese klare Trennung und zugleich enge Kopplung der Werkzeuge entspricht modernen modellgetriebenen Entwicklungsansätzen [Kleppe et al. 2003].

5. Beiträge von Schürmann und Schölzke

Die Entwicklung von PLIF und der Design Datenbank war das Ergebnis enger Zusammenarbeit innerhalb des SFB 124.

6. Bedeutung und Einordnung

Das PLAYOUT System und PLIF waren ihrer Zeit weit voraus. Viele Konzepte, die heute in modernen EDA Frameworks selbstverständlich sind – etwa hierarchische Datenmodelle, integrierte Entwurfsflüsse oder semantisch definierte Austauschformate – wurden im Rahmen des SFB 124 erstmals systematisch erforscht und prototypisch implementiert.
Die Arbeiten des Teilprojekts B4 haben damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung moderner Chip Planungswerkzeuge geleistet und zeigen, wie eng Meta Modellierung, Datenbankdesign und physisches Design miteinander verknüpft sind.


Literaturverzeichnis (Top 10 Quellen)

  1. Hartenstein, R. (Hrsg.): VLSI Entwurfsmethoden und Parallelität. Universität Kaiserslautern, 1994.

  2. Schürmann, B.: Interne Berichte zum PLAYOUT System und PLIF. Universität Kaiserslautern, 1992–1994.

  3. Wong, D. F., Liu, C. L., Young, F. Y.: Simulated Annealing for VLSI Design. Kluwer, 1988.

  4. Sherwani, N.: Algorithms for VLSI Physical Design Automation. Springer, 1999.

  5. Sait, S. M., Youssef, H.: VLSI Physical Design Automation. World Scientific, 1999.

  6. Cadence Design Systems: LEF/DEF Language Reference, 1997.

  7. Si2 OpenAccess Coalition: OpenAccess API Specification, 2002.

  8. OMG: Meta Object Facility (MOF) Specification, 2002.

  9. Kleppe, A., Warmer, J., Bast, W.: MDA Explained. Addison Wesley, 2003.

  10. Schölzke, M.: Imposing Modeling Rules on Industrial Applications through Meta modeling. Forschungsbericht, 1998–2001.

  11. Schölzke, M.: Timing-driven Floorplanning beim hierarchischen VLSI-Entwurf. Dissertation, 1999, ISBN-13: 978-3830000129